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    Justizvollzug: Von wegen "Schließer", ein Job für Menschen mit Lebenserfahrung!

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    Von wegen "Schließer"!!! Der Job im Justizvollzug ist ein sehr interessanter, vielseitiger und verantwortungsvoller Beruf.

    RP-Online: Für den Justizvollzugsdienst fehlen Nachwuchskräfte. Katja Grafweg, Leiterin der JVA Lüttringhausen, erklärt die Gründe und stellt einen erfahrenen Mitarbeiter vor.

    Benjamin Nowak ist ein Mann, den seine Arbeit erfüllt. "Ich kann mir keinen Job vorstellen, in dem es mehr Achtsamkeit im Team gibt", sagt der 34-jährige Justizvollzugsbeamte aus Köln, der seit 2007 in der Haftanstalt in Remscheid arbeitet. "Die Tätigkeit ist spannend, abwechslungsreich und immer wieder eine Herausforderung", fügt der gelernte Einzelhandelskaufmann hinzu. Natürlich gebe es eine Menge Routineaufgaben wie die Kost-Ausgabe und die Wachgänge, und man schleppe auch immer ein gewisses Maß an Überstunden mit sich herum, "denn im Gefängnis ist nicht alles planbar." Dafür habe man als Beamter im allgemeinen Vollzugsdienst aber einen absolut zukunftssicheren Beruf mit vielen Weiterbildungs-, Aufstiegs- und Veränderungsmöglichkeiten.

    Nowak, der zunächst bei der Bundeswehr war, wurde durch einen Onkel mit langjähriger Erfahrung als Vollzugsbeamter auf die Ausbildung aufmerksam. "Mein Onkel war bis zur Pension mit Begeisterung bei der Sache und musste sich in keiner Amtsstube langweilen", erinnert sich der uniformierte Mitarbeiter der JVA in Lüttringhausen. Wer in den Beruf strebe, müsse aber bedenken, "dass man es mit Menschen in einer Ausnahmesituation zu tun hat".

    Um diesen Job meistern zu können, sind bestimmte Fähigkeiten gefragt. Welche das im Detail sind, verrät Nowaks Chefin, die 52-jährige Katja Grafweg, die der Haftanstalt seit 2008 vorsteht: "Wir brauchen keine Abenteurer, sondern Menschen, die eine gewisse Lebenserfahrung mitbringen." Oft sei es von Vorteil, wenn die Kandidaten zuvor eine Lehre durchlaufen und in einem anderen Beruf gearbeitet haben. Bewerber sollten zumindest außerschulisch schon Verantwortung für Gruppen übernommen haben. Andernfalls werde es schwierig, auch das mündliche Auswahlverfahren zu bestehen, das am zweiten Testtag stattfindet. "Dieses Verfahren ist vergleichbar einem Assessment-Center", erklärt Grafweg. Man wolle herauszufinden, welche Motivation zu der Bewerbung geführt hat. "Und wir wollen prüfen, ob ein Kandidat tatsächlich den Anforderungen der Arbeit im Strafvollzug gewachsen ist. "Wer in seinem Leben schon viele unterschiedliche Situationen gemeistert hat, wird es bei diesem Test leichter haben."

    Nowak zum Beispiel habe vor seiner Bewerbung bei der Justiz durch den Kundenkontakt im Einzelhandel reichlich Erfahrung mit Menschen gesammelt. Und bei der Bundeswehr habe er erlebt, was Gruppendynamik bewirken kann. Zudem habe er beweisen können, dass er sich nicht provozieren lässt. Das sei in diesem Beruf ganz wichtig. "Wenn man empfindlich auf Sprüche reagiert und die Dinge persönlich nimmt, ist man in einer Haftanstalt fehl am Platz. Wir können es uns nicht leisten, dass Situationen eskalieren", ergänzt Grafwegs Mitarbeiter.

    Dabei gehe es weniger um die persönliche Sicherheit, die durch Notrufknöpfe gewährleistet sei, sondern um die Vorbildfunktion. "Wir sind nicht nur Bewacher, sondern haben auch die viel wichtigere Aufgabe, Insassen zu resozialisieren." Das sei der schöne Part des Berufs.

    "Wir können unsere Interessen einbringen und durch Aktivitäten mit den Gefangenen pflegen." Das sei in einer Schach AG genauso gut möglich wie in Kochkursen. Auch musikalisch könne man Akzente setzen und etwa eine Zeitlang die "Knast-Band" leiten, wie er es getan habe. Oder motiviere zu sportlichen Aktivitäten. "Vor diesem Hintergrund ist es gut, wenn Bewerber mal eine Zeitlang als Trainer in Sportvereinen oder als Leiter einer Pfadfindergruppe gearbeitet haben", fügt seine Chefin hinzu. Sie bedauert, dass es immer weniger Kandidaten gibt, die solche Qualifikationen mitbringen. Wichtig sei auch sprachliche Kompetenz. "Wir lösen viele Probleme durch geschickte Kommunikation und brauchen Mitarbeiter, die sich sprachlich unterschiedlichen Bildungsstandards der Insassen anpassen können." Dieses Talent fehle vielen Bewerbern. Ein Trend, der ihr Sorgen macht: "Wenn er anhält, droht im Bergischen Land ein Nachwuchsproblem. Man darf nicht vergessen, dass wir in der Region drei Haftanstalten haben und viele Justizvollzugsbeamte brauchen. Man muss aus einer gewissen Menge auswählen können."

    Quelle: RP. http://www.rp-online.de/nrw/staedte/remscheid/job-fuer-menschen-mit-lebenserfahrung-aid-1.6765832?utm_source=facebook&utm_medium=referral&utm_campaign=share

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