Stationierer

    Britische Armee: Rückzug vom Abzug?

    Britische Armee: Rückzug vom Abzug?

    Britische Armee Pixabay Britische Armee

    Zur Verstärkung der Abschreckungsfähigkeit der NATO in Europa erwägen die britischen Streitkräfte, mit einer logistischen Basis und Trainingsmöglichkeiten in Deutschland ihre Einsatzmöglichkeiten an der Ostflanke der Allianz zu verbessern. Entsprechende Überlegungen nannte der Stabschef der britischen Armee, General Nicholas Carter, bei einem Vortrag in London am (gestrigen) Montagabend. Die Entscheidungen darüber sind allerdings noch nicht gefallen.

    Mit einer Stationierung von Gerät in der Bundesrepublik und der Beibehaltung von Übungsplätzen wären britische Truppen für einen Einsatz an der NATO-Ostflanke besser gerüstet, begründete Carter die veränderte Einschätzung, die die derzeitigen Pläne für einen Abzug der Briten aus Deutschland zum Teil umkehren könnten.

    Carter äußerte sich am Montagabend bei einem Vortrag vor dem Royal United Services Institute (RUSI) in London. Aus dem vom britischen Verteidigungsministerium veröffentlichten Transkript dieses Vortrags.

    Der britische Verteidigungsattaché in Deutschland, Brigadegeneral Rob Rider, sagte dazu auf Anfrage von Augen geradeaus!, die Rede Carters sei mit dem Verteidigungsministerium in London abgestimmt. Derzeit laufe ein Überprüfungsprozess für die Planungen zur Stationierung der britischen Streitkräfte in Deutschland, der möglicherweise bis zum Sommer zu einer Entscheidung führe.

    Nach Riders Worten geht es vor allem um eine Vorausstationierung von Gerät im Raum Mönchengladbach sowie den Übungsplatz Sennelager bei Bielefeld. Außerdem gehe es um Überlegungen, britische Truppen in multinationale Einheiten in Deutschland einzubringen. Dabei gehe es unter anderem um Pioniertruppen, da sowohl die Briten als auch die Bundeswehr amphibische Schwimmbrücken vom Typ M3 betreiben. Das britische Ministerium sei dazu mit dem deutschen Verteidigungsministerium, der Bundeswehr sowie Lokalpolitikern der betroffenen Regionen im Gespräch.

    Eine Stationierung größerer Truppenteile wie in der Vergangenheit ist dagegen nicht Teil der Überlegungen.

    Großbritannien denkt auch darüber nach, Heeresgerät auf dem Kontinent über 2023 hinaus in Mönchengladbach vorzuhalten sowie eine Ausbildungs- und Erprobungspräsenz am Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn zu belassen. Die letztgenannte Initiative könnte die operative Umsetzung der NATO-Bereitschaftspläne erleichtern, hätte man doch weiterhin eine Basis für Ausbildung und Erprobung im Kampf gegen hybride Kriegsführung sowie für die Erprobung logistischer Aufgaben wie Bahntransporte und Straßenkonvois. Gerade der Logistikbereich ist angesichts der aktuellen russischen Strategie, der NATO den Zugang zu bestimmten Regionen abzuschneiden (Anti-Area Access Denial / A2/AD) von großer Bedeu- tung. Moskaus Bemühungen um den militärischen Ausbau der Region Kaliningrad sind ein Zeichen für Ver- suche, die NATO-Verstärkung der baltischen Staaten und Polens in Spannungszeiten zu verhindern. Diese potenziellen künftigen Einrichtungen in Deutschland bieten auch eine perfekte Ausgangsbasis für die Teilnahme an NATO-, TACET- und sonstigen bilateralen Übungen in Polen.

    Quelle und mehr:http://augengeradeaus.net/2018/01/britische-armee-deutschland/