TVÖD (Bund)

    Neue Entgeltordnung Bund - (k)ein Grund zum feiern

    Neue Entgeltordnung Bund - (k)ein Grund zum feiern

    Endlich ist sie da, endlich geht es weiter, aber wie wird das Ganze umgesetzt? Werde ich jetzt endlich für mein Tun bezahlt? Solche oder ähnliche Gedanken haben viele Beschäftigte des Bundes gestellt, nachdem die Tarifverhandlungen endlich erfolgreich abgeschlossen waren. Jetzt geht die Hektik in den Personalverwaltungen erst richtig los. Bis zum Jahresschluss haben die Beschäftigten die Möglichkeit entsprechende Anträge auf Höhergruppierung zu stellen. Doch nachdem nun einige Zeit ins Land gegangen und die Umsetzung in vollem Gang ist, hat das Bundesministerium des Innern ein Einsehen und ließ sich zu einer Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2015 überzeugen, trotzdem erfolgt für Viele die Ernüchterung.

    Es liegt aber nicht an dem neuen Regelwerk, nachdem die Tätigkeiten der Beschäftigten bewertet werden. Es liegt am System selbst, unter welchen Voraussetzungen die Tätigkeitsbeschreibungen abgefasst werden. Unter einer Tätigkeitsbeschreibung, versteht der Otto-Normalbeschäftige die Beschreibung der Tätigkeiten, die er an seinem Arbeitsplatz tagtäglich durchführt, um seine geschuldete Arbeitskraft als Gegenwert für die zu erwartende Entlohnung abzuleisten.

    Was versteht nun das System, oder der Arbeitgeber darunter? Die Tätigkeitsbeschreibung, ist die Beschreibung der Tätigkeiten, die ein Beschäftigter nach seiner tariflichen Eingruppierung durchführen darf. Eigentlich also die kollektive Aufforderung zum Dienst nach Vorschrift. Diese starre Auslegung der Bewertung der zur Verfügung stehenden Arbeitskraft steht im diametralen Gegensatz zur Aufforderung zum lebenslangen Lernen. Durch Lernen entstehen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten, ohne die in unserer schnelllebigen Zeit kein Arbeitnehmer mehr auf dem Laufenden bleiben könnte.

    Durch die Stellenkürzung und die zunehmende Digitalisierung der Arbeit werden immer mehr Arbeitsaufgaben durch die Hierarchieebenen hindurch nach unten übertragen. Gerade der mittlere Dienst hat im Bereich der Bundesverwaltung unter den Stellenkürzungen gelitten. Nun wird von jedem Beschäftigten die ständige Qualifizierung erwartet, die Arbeit wird „abgeschichtet“, aber die Ermittlung des Arbeitslohnes wird nicht etwa anhand der realen Tätigkeiten durchgeführt.

    Lebenslanges Lernen, für was oder für wen also? Qualifizierte Arbeitsleistung erwartet faire Tätigkeitsbeschreibungen, die der Arbeitsrealität und nicht Angaben die durch Stellenwerte vorgegeben werden entsprechen. Wir erwarten die wortgetreue Umsetzung der ausgehandelten Tarifverträge, nicht die durch Vorgaben auslegungsgesteuerte.

    Von:Klauspeter Schmitt, Personalrats-Vorsitzender einer Bundesoberbehörde