Fachbereich Bund + Länder NRW

    Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst

    Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst

    Arbeitszeit Pixabay Arbeitszeit

    Die Kombination von langen Wochenarbeitszeiten und enger Personaldecke betrifft Angestellte und Beamte gleichermaßen. Die meisten Beschäftigten empfinden das als besonders hohe und zunehmende Belastung. Es wird höchste Zeit für beschäftigtenfreundliche Arbeitszeiten im öffentlichen Dienst.

    Das Thema Arbeitszeit ist für die Gewerkschaften auf der politischen Agenda nach vorne gerückt, auch im öffentlichen Dienst. Technische Entwicklungen machen es möglich, die Arbeit zu entgrenzen und zu flexibilisieren. So ist es zum Beispiel heutzutage leicht, dienstliche E-Mails am Abend auf dem Sofa zu checken, statt abzuschalten und sich zu erholen. Da diese neuen Möglichkeiten zusammentreffen mit langen Wochenarbeitszeiten, hoher Arbeitsmenge, Personalknappheit und oft auch mit Erwartungen an ständige Verfügbarkeit, entstehen daraus neue Belastungen und somit auch neue Anforderungen an eine gute Arbeitsgestaltung. Die neuen technischen Möglichkeiten können aber auch im Interesse der Beschäftigten genutzt werden. Viele Beschäftigte wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, etwa für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie. Eine solche Flexibilisierung kann ein sinnvoller Weg sein, Arbeitsbedingungen humaner und attraktiver zu gestalten. Sie muss aber mit einer Begrenzung der Arbeitszeiten und mit einer ausreichenden Personalausstattung verbunden werden. Im Sinne der Beschäftigten muss dabei sowohl mehr Arbeitszeitsouveränität als auch ein guter Arbeitsschutz erreicht werden – eine schwierige Aufgabe.

    Länge der Arbeitszeiten
    Im DGB-Index »Gute Arbeit« wird regelmäßig nach der vereinbarten und der tatsächlichen Arbeitszeit gefragt. Einer Sonderauswertung zum öffentlichen Dienst aus dem Jahr 2017 zufolge haben 53 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im öffentlichen Dienst, eine vereinbarte Arbeitszeit von 35 bis 40 Stunden pro Woche. Ein Drittel (32 Prozent) gibt eine vereinbarte Wochenarbeitszeit von 10 bis 30 Stunden an. Von einer »langen Teilzeit«, also einer Wochenarbeitszeit zwischen 30 und 35 Stunden, berichten 3 Prozent. Eine »lange Vollzeit« mit wöchentlich über 40 Stunden geben 9 Prozent an. Letzteres betrifft vor allem die verbeamteten Beschäftigten.

    Nach wie vor wird Beamtinnen und Beamten ein kollektives Verhandlungsrecht über ihre Arbeitsbedingungen verweigert. Während die Arbeitszeit der Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ausgehandelt wird und in Tarifverträgen (TVöD, TV-L und TV-H) geregelt ist, wird die Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten durch Verordnungen einseitig vom jeweiligen Verordnungsgeber festgelegt. Für die Bundes- und Landesbeamten gibt es je Dienstherrn so genannte Arbeitszeitverordnungen. Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten liegt bei 40 oder 41 Stunden.

    Übersicht Bund-Verlag Übersicht

    Angleichen der wöchentlichen Arbeitszeit
    Der DGB fordert eine Angleichung der wöchentlichen Arbeitszeit an das Tarifniveau bei gleichzeitigem Personalaufwuchs, um eine weitere Zunahme der Arbeitsverdichtung zu verhindern. Bisher fehlt hierzu jedoch der politische Wille. Der öffentliche Dienst braucht beschäftigtenfreundliche Arbeitszeiten, um im Wettbewerb um qualifiziertes Personal bestehen zu können. Entlastung und mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit haben für die Beschäftigten, egal ob angestellt oder verbeamtet, aus guten Gründen einen hohen Stellenwert. Die oben zitierte Sonderauswertung des DGB-Index »Gute Arbeit« zeigt, dass auch im öffentlichen Dienst die tatsächliche Arbeitszeit von der vereinbarten oft deutlich nach oben abweicht. So nennen 27 Prozent der Befragten eine tatsächliche wöchentliche Arbeitszeit von 40 bis 48 Stunden; 12 Prozent arbeiten mehr als 48 Stunden in der Woche. Allein diese Zahlen werfen schon ein Schlaglicht auf die hohe Belastung der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. Die zeigt sich aber nicht nur an der Länge des Arbeitstages und der Arbeitswoche. Die Befragung ergibt auch eine deutlich wahrgenommene Arbeitsverdichtung. Die Hälfte der Befragten (54 Prozent) berichtet von Termindruck durch zu knappe Personalbemessung oder durch zu viele gleichzeitig zu bearbeitende Vorgänge (50 Prozent). Das hat langfristige Folgen. Die Beschäftigten wurden auch gefragt, ob sie glauben, ihre aktuelle Tätigkeit ohne Einschränkungen bis zum Renten- bzw. Pensionsalter ausüben zu können. Knapp 40 Prozent schätzten, dass sie das nicht schaffen würden.

    Die Folgen des demografischen Wandels werden die hier skizzierte Situation in den Dienststellen in den nächsten Jahren noch verschärfen. Die Beschäftigten benötigen Entlastung und mehr Zeit zur Regeneration, getreu dem ergonomischen Leitbild, »die Arbeit an den Menschen anzupassen und nicht umgekehrt«. Arbeitszeitpolitik ist dabei ein zentrales Instrument, der Arbeit – bezogen auf die Bedürfnisse und das Leistungsvermögen der Beschäftigten – wieder das richtige Maß zu geben. Dafür braucht es auch Arbeitszeitverkürzungen, Neueinstellungen und eine verlässliche Personalbedarfsplanung im öffentlichen Dienst.

    Dr. Niels Spilker, Politischer Referent in der Abteilung Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik beim DGB-Bundesvorstand, Berlin.
    Quelle und mit freundlicher Genehmigung: Bund-Verlag, Magazin: Der Personalrat: https://www.bund-verlag.de/zeitschriften/der-personalrat/