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Stillstand bei der Gleichstellung in der Landesverwaltung NRW? …

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Stillstand bei der Gleichstellung in der Landesverwaltung NRW? ver.di fordert zum Handeln auf!

Ein Kind, welches rechts und links von den Eltern an der Hand gehalten wird. pixabay Familie und Karriere dürfen sich nicht ausschließen!

Stillstand bei der Gleichstellung in der Landesverwaltung NRW? ver.di fordert zum Handeln auf!

Einen Stillstand bei der Gleichstellung von Männern und Frauen in der Landesverwaltung NRW befürchtet die Gewerkschaft ver.di. Dabei besteht weiterhin Handlungsbedarf: In der Landesverwaltung NRW nimmt der Frauenanteil mit steigender Besoldungsgruppe deutlich ab und trotz überdurchschnittlicher Bildungsabschlüsse erhalten Frauen seltener Spitzennoten als ihre männlichen Kollegen.

Als eine Ursache hierfür ist die bisherige Beurteilungspraxis ausgemacht worden. In einem gemeinsamen Gespräch am 10. Januar 2019 mit den Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) NRW und den Berufsverbänden sagte die zuständige Ministerin für Gleichstellung im Namen der Landesregierung NRW noch zu, dass bis Herbst 2019 unter Begleitung von Wissenschaftler*innen ein ressortübergreifendes Fortbildungskonzept für das Beurteilungswesen erarbeitet werden soll. Doch davon ist derzeit nichts zu erkennen. Eine erste Sitzung der eingerichteten Arbeitsgruppe verlief nahezu ergebnislos. Zum weiteren Vorgehen hat sich die Landesregierung NRW noch nicht geäußert.

ver.di und der DGB NRW geben sich mit diesem Stillstand nicht zufrieden und haben das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau- und Gleichstellung des Landes NRW nun zum Handeln aufgefordert.

Um Frauen- und Familienförderung in der Landesverwaltung effektiv umsetzen zu können, bedarf es der Entwicklung ressortübergreifender Standards bei Beurteilungsrichtlinien und Beurteilungsverfahren. An deren Entwicklung müssen Wissenschaftler*innen beteiligt werden. Folgende Punkte sind dabei aus Sicht von ver.di zu beachten:

a) Es müssen diskriminierungsfreie Beurteilungsmerkmale mit eindeutigen Definitionen zu den einzelnen Merkmalen herangezogen werden. Ebenso müssen Leistungsbild, Befähigungsmerkmale sowie Eignung neu gewichtet werden. Beurteilungsmerkmale könnten auch so ausgestaltet werden, dass z.B. Care-Tätigkeiten berücksichtigt werden. Hiervon würden auch Männer profitieren, die sich verstärkt der Erziehungs- und Pflegearbeit widmen wollen, ohne dadurch Nachteile in ihrer beruflichen Entwicklung befürchten zu müssen.

b) Regelhaftes Monitoring: für alle Bereiche sollten nach festgeschriebenen Regeln kontinuierlich die Ergebnisse der Beurteilungen transparent, geschlechtsspezifisch und mindestens arbeitszeitbezogen (möglichst auch arbeitsortbezogen, z.B. Telearbeit) erhoben und analysiert werden. Nach Abschluss der Beurteilungsverfahren sollten die Ergebnisse z.B. im Intranet veröffentlicht werden. Neben der innerbetrieblichen Seite sollte auch eine jährliche Berichtspflicht an den Landtag NRW vorgesehen werden, wie es um die Vergabe von Noten, Beförderungen und leitenden Funktionen mit Blick auf Geschlecht und Arbeitsumfang in der Landesverwaltung bestellt ist.

c) Regelmäßige Schulung der Beurteilenden: für alle Beurteiler*innen sollte, z.B. in den entsprechenden Beurteilungsrichtlinien, eine Pflicht zur regelmäßigen Schulung zur Erstellung von dienstlichen Beurteilungen vorgesehen werden, deren Bestandteil insbesondere auch die Vermeidung von Wahrnehmungsverzerrungen und Beurteilungsfehlern ist.

Eine Ausrichtung allein auf die Beseitigung von Diskriminierung in Beurteilungsrichtlinien und –verfahren greift aus Sicht von ver.di aber zu kurz. Es braucht auch konkrete Fördermechanismen um die Gleichstellung von Frauen im öffentlichen Dienst zu erreichen. Hier sollten spezielle Mentoring-Programme und weitere Personalentwicklungsmaßnahmen implementiert werden.