Vollzug

    Justizvollzug: Bedienstete haben keine Zeit für Behandlungsvollzug

    Justizvollzug: Bedienstete haben keine Zeit für Behandlungsvollzug

    Suizidprophylaxe ver.di Suizidprophylaxe

    Aus einer ver.di eigenen Umfrage unter den Beschäftigten in den Justizvollzugsanstalten geht hervor, dass diese die Arbeitssituation zum Teil als katastrophal bewerten. Andreas Schürholz, Vorsitzender der Bundes- und Landesfach-kommission Justizvollzug bei ver.di erklärt: „Vielfach schildern uns die Kolleginnen und Kollegen, dass es zu wenig Personal in den Anstalten gibt und damit ihre Belastung zum Teil dramatisch gestiegen ist. Oft kommen auf einen Bediensteten 40 bis 60 Gefangene. Da bleibt kaum Zeit, um Gefangene intensiv zu betreuen.“

    Nachdem die Opposition im Landtag mit Blick auf die Selbstmorde von Gefangenen die Ausbildung der Beschäftigten im Justizvollzug in Frage gestellt hatte, wollte ver.di von den Beschäftigten selbst wissen, ob sie sich zu dem Thema Suizidprophylaxe und Umgang mit auffälligen Gefangenen ausreichend ausgebildet fühlen. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten, die an der repräsentativen Befragung teilnahmen, fühlen sich gut bis sehr gut ausgebildet und etwa ein Viertel der Antwortenden erklärt, sie fühlen sich ausreichend ausgebildet. ...

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    Aber in einem Punkt ist sich Andreas Schürholz auch sicher: „Suizide werden wir auch nicht mit mehr Personal gänzlich verhindern können. Wer sich umbringen will, wird dies tun, sobald sich ihm eine Gelegenheit dazu bietet. Suizide oder besondere Vorkommnisse dürfen von der Politik nicht weiter als Versagen des Systems – und damit der Kolleginnen und Kollegen – dargestellt werden. Die Ursache liegt in der Regel eher in der seit Jahrzehnten verfehlten Personal- und Finanzpolitik. Zwar hat die jetzige Landesregierung zusätzliche Stellen aufgebaut, um dagegen zu steuern, aber im Umfang ist das nicht ausreichend.“