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    Justizvollzug: Nach Todesfahrt bei Freigang stehen JVA-Beamte …

    Justizvollzug: Nach Todesfahrt bei Freigang stehen JVA-Beamte vor Gericht

    Hätte ein tödlicher Unfall 2015 verhindert werden können? Um diese Frage dreht sich ein Prozess vor dem Limburger Landgericht. Auf der Anklagebank sitzen drei Justizbeamte.

    Limburg. Es war ein Freigang aus dem Gefängnis mit dramatischen Folgen: Der Häftling gerät mit seinem Auto in eine Polizeikontrolle, flüchtet und verursacht nahe Limburg einen tödlichen Unfall. Der Mann ist inzwischen rechtskräftig wegen Mordes verurteilt - doch nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben weitere Menschen Schuld an dem tragischen Geschehen.

    Drei Justizvollzugsbeamte aus den Gefängnissen Wittlich und Diez stehen von 5. Dezember an wegen fahrlässiger Tötung und Beihilfe zum Fahren ohne Führerschein vor dem Landgericht Limburg. Sie hatten dem Häftling laut Anklage Freigang aus der JVA Diez gewährt, ohne dessen strafrechtliche Vita genau zu untersuchen.

    Der Unfall am 28. Januar 2015 hätte vermieden werden können, wenn die Justizvollzugsbeamten korrekt gearbeitet hätten, sagt der Limburger Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen. Anstatt sorgfältig zu prüfen, ob der Mann für den offenen Vollzug geeignet sei, hätten die Verantwortlichen unkritisch und ohne weitere Kontrollen gehandelt.

    Dabei wies das Vorstrafenregister des Häftlings, der bis Oktober 2013 in der JVA Wittlich einsaß, mehr als 20 Straßenverkehrsdelikte aus. Hier sei es nicht nur um Fahren ohne Führerschein gegangen, sagt Herrchen. Vielmehr sei bekannt gewesen, dass der heute 47-jährige Mann mehrmals riskant vor der Polizei geflüchtet war und Unbeteiligte gefährdet hatte.

    Dennoch hatten zwei der drei angeklagten JVA-Beamten für eine Verlegung des Mannes in den offenen Vollzug nach Diez plädiert und sich damit der Empfehlung einer Bewährungshelferin widersetzt. Der Betreuerin zufolge kommt die Neigung des Mannes, ohne Führerschein Auto zu fahren, einer Sucht gleich und hätte behandelt werden müssen. Tatsächlich hat der Mann nie einen Führerschein besessen.

    Dem dritten angeklagten JVA-Beamten wird vorgeworfen, dass er die Einschätzung der Kollegen ungeprüft übernommen habe, sagt Oberstaatsanwalt Herrchen. Zudem habe der JVA-Beamte in Diez den Freigang des Häftlings nicht kontrolliert. Er habe nicht nachgeforscht, wie der Mann zu seiner Arbeitsstelle gelangte und wie er überhaupt an ein Auto gekommen war.

    Ende Januar 2015 war der Freigänger vor einer Polizeikontrolle geflüchtet und als Geisterfahrer auf die Bundesstraße 49 gerast. Hier prallte er gegen den Kleinwagen einer 21 Jahre alten Frau, die den Unfall nicht überlebte. Der Fahrer war hierfür im Dezember 2015 verurteilt worden. Das Urteil ist rechtskräftig.

    Quelle: http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Nach-Todesfahrt-bei-Freigang-stehen-JVA-Beamte-vor-Gericht;art680,2842959

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