Thema: Digitalisierung

    DGB-Index Gute Arbeit: Beschäftigte im Angestellten- oder Beamtenverhältnis …

    DGB-Index Gute Arbeit: Beschäftigte im Angestellten- oder Beamtenverhältnis im öffentlichen Dienst

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    An den öffentlichen Dienst wird die Erwartung gestellt, die ihm obliegenden Aufgaben zuverlässig, objektiv und bürgernah zu erfüllen. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, braucht es vor allem gute Arbeitsbedingungen für die Tarifbeschäftigten, Beamtinnen und Beamten. Wie es um diese steht, untersucht jährlich der DGB-Index „Gute Arbeit“ und stellt damit eine verlässliche und solide Datenbasis dar. Die Erhebung berücksichtigt eine Vielzahl an Anforderungen und Beanspruchungen, die für die Beschäftigten wichtig sind bzw. auf sie wirken.

    Die Zusammenstellung der vorliegenden Ergebnisse greift fünf Bereiche der Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst heraus: Weiterbildung und -qualifizierung, Personalausstattung und Arbeitsintensität, Mitgestaltung und Mitbestimmung, Arbeitszeit und als letzten und zusammenfassenden Punkt gesundheitliche Belastungen.

    Damit Beschäftigte ihre Arbeit kompetent erledigen können, muss deren adäquate und gute Weiterbildung und -qualifizierung sichergestellt werden. „Gute Arbeit“ setzt aber auch ausreichendes Personal voraus. Ansonsten können selbst gut qualifizierte und motivierte Beschäftigte ihre Aufgaben nicht zu ihrer und zur Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger erledigen. Genau an diesem Punkt besteht jedoch Handlungsbedarf. So haben sich zwei von Stellenabbau und Privatisierung geprägte Jahrzehnte auf die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes ausgewirkt. Hier muss massiv nachgesteuert und Personalaufbau betrieben werden.

    Auch zur Frage der Mitgestaltungsmöglichkeiten wurden die Beschäftigten befragt. Es zeigt sich: Qualifizierte Beschäftigte wollen ihre Kompetenzen in die Arbeit einbringen. Dies setzt aber voraus, dass sie die Organisation und die Inhalte ihrer Arbeit mitgestalten können – ansonsten wird ihre Motivation „untergraben“.

    Einen weiteren wesentlichen Aspekt der Arbeitsbedingungen stellt die Arbeitszeit dar. Diese ist in den letzten Jahren wieder verstärkt in den Fokus gerückt – u. a. ersichtlich an der BAuA-Arbeitszeiterhebung (BAuA 2016) oder auch der IG Metall-Kampagne „Mein Leben Meine Zeit“. Kommt die Arbeitszeit den Bedürfnissen der Beschäftigten entgegen und führt sie nicht zu einer physischen wie psychischen Überbeanspruchung, wird der Arbeitgeber/Dienstherr als attraktiv angesehen. In Zeiten des Fachkräftemangels, auch im öffentlichen Dienst, sind beschäftigtenfreundliche Arbeitszeiten also eine Notwendigkeit und für die Behebung des Personalmangels unerlässlich. Gleiches gilt im Übrigen für „gesunde“ Arbeitsbedingungen, bei denen gesundheitliche Arbeitsrisiken auf ein mögliches Minimum reduziert sind.

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    Kölner Stadt-Anzeiger: Um 16 Uhr Tastatur hochklappen? Studie räumt mit Vorurteilen über Behörden auf

    Berlin - Das wohl hartnäckigste Vorurteil, mit dem sich Beschäftigte  im Öffentlichen Dienst (ÖD) konfrontiert sehen, betrifft ihre Arbeitsbedingungen: Kommunalämter und Landesbehörden,  Sozialversicherungen und Bundeseinrichtungen gelten als Komfortzonen in einer ansonsten zunehmend stressigen Arbeitswelt. Dem widersprechen die Ergebnisse mehrerer Umfragen, die der DGB in den Jahren 20145 bis 2016 unter insgesamt 3625 öffentlich Bediensteten zu Themen wie  Arbeitsbelastung, Überstunden und Wochenendschichten durchgeführt hat. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

    Weniger Personal

    Die These von der Komfortzone lässt  außer Acht, dass der ÖD über Jahrzehnte hinweg einen massiven Stellenabbau verkraften musste. 1991 zählten Bund, Länder und Gemeinden noch fast sieben Millionen öffentlich Bedienstete,  im Jahr 2000 waren es knapp 5 Millionen und 2010 nur noch 4,6 Millionen.  Zwar geht ein Teil dieses Aderlasses auf Privatisierungen einstiger Staatsbetriebe wie der Post einschließlich der Telekom und zahlreicher Krankenhäuser zurück, in vielen anderen Bereichen wurden Arbeitsplätze aber zumeist aus Kostengründen einfach gestrichen. Das bedeutet: Weniger Beschäftigte geraten bei gleichem Arbeitsvolumen stärker unter Druck.

    Zusätzliche Aufgaben

    Seit 2010 hat sich die Zahl der ÖD-Beschäftigten zwar kaum noch verändert. Sie lag Mitte 2015 bei 4,65 Millionen, wovon knapp 40 Prozent verbeamtet waren. Zeitgleich zu dieser Stabilisierung allerdings kamen anspruchsvolle – und personalintensive – Aufgaben hinzu. Beispiele sind der Ausbau von Kita- und Krippenplätzen, die Kontrolle des Entsenderechts und des Mindestlohngesetzes durch den Zoll oder zuletzt die Bewältigung des Flüchtlingszuzugs und der Asylanträge. Unter dem Strich bleibt: mehr Stress für viele Bedienstete.

    Hetze und Termindruck

    Davon künden die Antworten der mehr als 3600 ÖD-Beschäftigten, die in den vergangenen drei Jahren an den DGB-Befragungen zum Thema „Gute Arbeit“ teilgenommen hatten. 58 Prozent von ihnen klagen über häufigen oder sehr häufigen Zeitdruck am Arbeitsplatz, nur jeder zehnte öffentlich Bedienstete fühlt sich in der Berufsausübung  frei von Terminstress.

    Arbeitszeiten

    Hinzu kommt, dass im ÖD Wochenend-, Nacht- und Schichtarbeit eher die Regel als die Ausnahme sind. Immerhin ein Drittel der Befragten gab an, (sehr) oft an Wochenenden und Feiertagen arbeiten zu müssen, für 30 Prozent trifft dies auf Arbeitszeiten bis 23 Uhr zu, zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens müssen immerhin noch zehn Prozent regelmäßig ran. Unbezahlte Arbeit außerhalb der Dienstzeiten gehört für 22 Prozent zum Arbeitsalltag. 27 Prozent bejahten zudem die Frage, ob der Dienstherr von ihnen Erreichbarkeit auch außerhalb der Normarbeitszeit erwartet.

    Hitze, Dreck und Lärm

    Extremen Temperaturen, hoher Feuchtigkeit, starker Zugluft und anderen unschönen Umgebungsbedingungen am Arbeitsplatz  sehen sich 26 Prozent häufig oder sehr häufig ausgesetzt, 24 Prozent verrichten regelmäßig schwere körperliche Arbeit, unter starkem Lärm leiden 40 Prozent. Zumindest ebenso gravierend sind seelische Belastungen: 58 Prozent werden sehr häufig in ihrer Konzentration auf ihre Arbeit unterbrochen, 42 Prozent klagen über miteinander kaum vereinbare  Aufgaben, bei 22 Prozent kommt es regelmäßig zur Auseinandersetzungen und Konflikten mit Kunden, Patienten und Klienten. 

    Gründe für den Stress

    54 Prozent nennen zu wenig Personal als Hauptgrund für die starke Arbeitsbelastung, 50 Prozent geben an, zu viele Aufgaben bewältigen zu müssen – was unter dem Strich aufs Gleiche herauskommt. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gab häufige Erschöpfungszustände am Ende des Arbeitstages an. Dabei hat der Druck in jüngerer Vergangenheit offenbar noch einmal zugenommen:  Die Frage, ob in den vorangegangenen 12 Monaten deutlich mehr Arbeit in der gleichen Zeit erledigt werden musste, bejahten 43 Prozent. Weitere 24 Prozent gaben zumindest ein geringes Maß an zusätzlicher Arbeit an.

    Aus Sicht der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack kann die Situation nur durch Neueinstellungen verbessert werden: „Dem öffentlichen Dienst fehlen nicht nur gut 110 000 Bedienstete, sondern viele der dort Beschäftigten sehen sich nicht in der Lage, unter den gegebenen Bedingungen bis zum Renten- oder Pensionseintritt zu arbeiten. Das ist ein Alarmsignal, das die Politik ernst nehmen sollte.“  Es müsse Schluss sein mit der Personalpolitik der kurzen Sprünge und der vielen Befristungen. Der öffentliche Dienst benötige Personalbedarfsanalysen und eine entsprechende Personalausstattung: „ Es muss endlich ein Umdenken stattfinden: Ein funktionierender, attraktiver öffentlicher Dienst ist ohne verstärkte Investitionen in Personal und Ausstattung nicht zu bekommen.“

    Quelle: http://www.ksta.de/27786354 ©2017