Mobbing

Die Rechtsfrage: Wie wehre ich mich gegen Mobbing?

Die Rechtsfrage: Wie wehre ich mich gegen Mobbing?

Frage: Seit mittlerweile einem Jahr mobbt mich ein Kollege aus meinem Team. Wir sind beide für eine bald frei werdende Stelle qualifiziert. Es wäre eine Beförderung. Unsere Chefin hat uns vor einem dreiviertel Jahr mitgeteilt, dass der Posten frei wird und wir Chancen haben. Seither übersieht mich mein Kollege, enthält mir wichtige Informationen vor und redet auch schlecht bei Kollegen über mich. In einem Gespräch mit meiner Chefin habe ich keine Hilfe bekommen, sie meinte, wir sollten das untereinander klären. Wie kann ich mich wehren?

Martina Perreng: Mobbing ist mit arbeitsrechtlichen Möglichkeiten nur sehr schwer bei zu kommen. Denn oft liegt in der schlechten Behandlung kein greifbarer Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten. Mobbing  ist also weniger ein arbeitsrechtliches als ein zwischenmenschliches Problem. Von Mobbing spricht man in der Regel, wenn es um eine gezielte anlasslose Diffamierung und psychische Schädigung eines anderen geht. In Ihrem Fall liegt der Sachverhalt etwas anders. Es gibt eine Konkurrenzsituation, in der Ihr Kollege versucht, sich mit unfeinen Mitteln einen Vorteil zu verschaffen.

Verstoß gegen arbeitsvertragliche Pflichten

Soweit er Sie übersieht und schlecht über Sie redet, ist schwer dagegen vorzugehen, sofern keine Beleidigung vorliegt. Denn Freundlichkeit kann nicht eingeklagt werden. Etwas anderes gilt aber, wenn er Ihnen Informationen vorenthält und damit Ihre Arbeit behindert. Das kann durchaus ein Verstoß gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten darstellen. Darüber zunächst die Vorgesetzte zu informieren, die mit ihrer Ankündigung letztlich diese Konkurrenzsituation ausgelöst hat, war der richtige Schritt.

Ihnen zu sagen, sie sollten das unter sich ausmachen, entspricht allerdings nicht den Verpflichtungen Ihrer Chefin. Weil ungelöste Konflikte zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, muss sie dafür Sorge tragen, dass Auseinandersetzungen oder Spannungen in ihrem Zuständigkeitsbereich beigelegt werden. Das ergibt sich aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, den sie als Vorgesetzte repräsentiert.

Der Betriebsrat kann helfen

Auf diesen Sachverhalt sollten Sie Ihre Vorgesetzte aufmerksam machen und sie um Abhilfe bitten. Unterbleibt diese, sollten Sie sich, sofern vorhanden, an den Betriebsrat wenden. Ein Betriebsrat hat bei allen Fragen rund um den Gesundheitsschutz im Betrieb volle Mitwirkungsrechte und kann hier intervenieren. Hat Ihre Firma keinen Betriebsrat, bleibt Ihnen nur noch die Möglichkeit, sich an die nächst vorgesetzte Stelle, etwa die Personalabteilung, zu wenden. Dort sollten Sie das Verhalten des Kollegen und auch der Vorgesetzen, verbunden mit der Bitte um Abhilfe, vortragen.

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