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Ergebnisse der Arbeitszeitumfrage: Beschäftigte wollen selbst …

ver.di Kampagne Arbeitszeit

Ergebnisse der Arbeitszeitumfrage: Beschäftigte wollen selbst entscheiden: Mehr Geld oder mehr freie Zeit

Ergebnisse der Arbeitszeitumfrage: Beschäftigte wollen selbst entscheiden: Mehr Geld oder mehr freie Zeit?

Liebe/r Kollege/in!

Das Votum der befragten Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist eindeutig: 92% der Kolleginnen und Kollegen wollen selbst entscheiden, ob sie eine (tarifliche) Gehaltserhöhung in freie Zeit eintauschen, oder nicht. Wenn sie die Wahl bereits hätten, würden mehr als die Hälfte der Beschäftigten die tariflichen Gehaltssteigerungen zur Verkürzung ihrer Arbeitszeit eintauschen.

Dies sind die zentralen Botschaften aus der großen ver.di Arbeitszeitumfrage, an der sich bis Ende Juni 2019 insgesamt 210.313 Beschäftigte im öffentlichen Dienst und weitere 17.961 Beschäftigte aus privaten Unternehmen des Gesundheits- und Sozialwesens, Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Einrichtungen beteiligten.

Hohe Flexibilität: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeiten in Gleitzeit
Bei den Arbeitszeitmodellen kommt Gleitzeit am häufigsten bei der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung zur Anwendung (77%). Auch bei den Ländern (73%), beim Bund (69%), den Sparkassen (69%) sowie den Gemeinden (68%) wird überwiegend in Gleitzeit gearbeitet.

Überstunden bestimmen den Arbeitstag
Insgesamt leisten zwei von drei Beschäftigten regelmäßig Überstunden. Bei der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung (74%), sowie im Nahverkehr, an Musikschulen und in der Energiewirtschaft (71%) arbeiten die meisten Beschäftigten länger als vereinbart. Männer leisten regelmäßig mehr Überstunden als Frauen.

Im Durchschnitt beträgt die Anzahl an geleisteten Überstunden 1,6 Stunden in der Woche (Männer: 1,7 Stunden, Frauen: 1,4 Stunden).

Kurze Wochenarbeitszeit? Mehr Überstunden!
Auffallend ist: Die meisten Überstunden leisten Beschäftigte mit einer vereinbarten Wochenarbeitszeit von weniger als 20 Stunden. Als Gründe für längere Arbeitszeiten geben 52,4% der Befragten an, die Menge der Arbeit nicht in der vereinbarten Zeit zu schaffen. 47,6% begründen ihre Überstunden mit einer zu geringen Personalausstattung.

Überwiegend Freizeitausgleich
Geleistete Überstunden werden in der Regel durch Freizeit abgegolten (87%). In einigen Bereichen werden Überstunden jedoch gar nicht vergütet (Musik-schulen (60%), Hochschulen (25%), Forschung (22%).

Das „Wahlmodell Arbeitszeit“
Hätten sie die Wahl, würden 57% der Befragten eine Gehaltssteigerung gegen mehr freie Zeit eintauschen – und das, bis auf wenige Ausnahmen, in allen Branchen bzw. Arbeitsfeldern und unabhängig davon, welches Arbeitszeitsystem zur Anwendung kommt.

Von diesen Kolleginnen und Kollegen würden mehr als die Hälfte die zusätzliche freie Zeit für die Verkürzung ihrer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit verwenden. Eine Umsetzung der freien Zeit in freie Tage würden 45% der Befragten bevorzugen. Ein gutes Drittel der Befürworter*innen des Wahlmodells würde die zusätzliche freie Zeit auf einem Arbeitszeitkonto bzw. einem Lebensarbeitszeitkonto (LAZK) ansparen, um z.B. früher in Rente gehen zu können.

Angleichung der Arbeitszeit Ost
Für die sofortige Angleichung der Arbeitszeit im Tarifgebiet Ost (40-Stunden) an das Niveau im Tarifgebiet West (39-Stunden) würden sich 58% aller Teilnehmer*innen engagieren. Die Angleichung der Arbeitszeit unter der Bedingung einer Übergangsfrist befürworte hingegen nur 23% der Befragten.

Statistik: Die Teilnehmer*innen
An der ver.di Arbeitszeitumfrage haben sich etwas mehr Frauen (56%) als Männer (44%) beteiligt. An der Befragung konnten auch Nicht-Mitglieder teil-nehmen – ihr Anteil beläuft sich auf 44%.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden beträgt 43 Jahre, die größte Beteiligung an der Umfrage gab es von der Alterskohorte 51-60 Jahre (31%), gefolgt von 31-40 Jahre und 41-50 Jahre (je 23%).
Gemessen am Bruttoeinkommen haben sich Beschäftigte mit einem Entgelt zwischen 2.501 Euro und 3.500 Euro am stärksten an der Umfrage beteiligt (39%).

Ein Blick auf die Branchen zeigt: Am häufigsten haben sich Beschäftigte aus den Gemeinden (25%), dem Bereich Gesundheit/Pflege/Soziales (20%) sowie der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung (10%) beteiligt.

Jetzt: Erkenntnisse vertiefen!
Die Ergebnisse der ver.di Arbeitszeitumfrage wollen wir in den kommenden Wochen vertiefen, hinterfragen und überprüfen. Dazu werden wir mit ausgewählten Vertreterinnen und Vertretern aus den einzelnen Branchen bzw. Arbeitsbereichen Interviews führen – mal einzeln, mal mit der Dynamik einer ganzen Gruppe. Über die konkretisierten Ergebnisse werden wir im Dezember dieses Jahres wieder berichten und abschließend veröffentlichen.