Kampagne Arbeitszeit ÖD

ver.di Arbeitszeitumfrage: Ergebnisse der Interviews

ver.di Kampagne Arbeitszeit

ver.di Arbeitszeitumfrage: Ergebnisse der Interviews

Das ver.di-Musterbild zu Kampagne Arbeitszeiterfassung. ver.di ver.di Kampagne Arbeitszeit

Im Rahmen der Vorbereitung der Tarifrunde 2020 hat die Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst bereits 2018 die Durchführung einer Arbeitszeit-Umfrage beschlossen. In der ersten Phase fand dazu eine breit angelegte Umfrage unter den Beschäftigten im Tarifbereich des öffentlichen Dienstes statt.

Das Votum der befragten Beschäftigten im öffentlichen Dienst war eindeutig: 92 % der Kolleginnen und Kollegen wollen selbst entscheiden, ob sie eine (tarifliche) Entgelterhöhung in freie Zeit eintauschen. Wenn sie diese Wahlmöglichkeit hätten, würden mehr als die Hälfte der Beschäftigten die tarifliche Entgeltsteigerung zur Verkürzung ihrer Arbeitszeit eintauschen.

Zur Vertiefung dieses Ergebnisses fanden in der zweiten Phase von Oktober 2019 bis Anfang März 2020 viele Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern aus den einzelnen Branchen bzw. Arbeitsbereichen statt.

Im Mittelpunkt standen u. a. Fragen zur gegenwärtigen Arbeitssituation im unmittelbaren Arbeitsbereich, zum Stellen-wert des Themas Arbeitszeit im Verhältnis zu anderen Themen, ob über eine Verkürzung der Arbeitszeit nachgedacht wird, wie eine Wahlmöglichkeit zwischen Entgelterhöhung und Arbeitszeitverkürzung ausgestaltet werden könnte, wie eine Unterstützung für so ein Ziel aussehen könnte und ob es weitere Punkte gibt, die im Zusammenhang Arbeitszeit dringend bearbeitet werden müssten.

Nun liegt das Ergebnis vor.
Das Interesse für eine Arbeitszeitverkürzung ist groß. Auch die Wahlmöglichkeit, also der Tausch einer tariflichen Entgelterhöhung gegen Zeit wird positiv bewertet. In den Einzel- und Gruppeninterviews wurde aber auch offen und ausführlich über Bedenken und mögliche Probleme einer Arbeitszeitverkürzung gesprochen. Durchgängig wurde berichtet, dass die Arbeitsbelastung und der Leistungsdruck zugenommen haben und Überstunden und Mehrarbeit in vielen Bereichen schon fast „normal“ sind. Bedenklich ist der bestehende Personal- und Fachkräftemangel in etlichen Bereichen. Häufig wurde in dem Zusammenhang von unzuverlässigen Dienstplänen, einer starken Leistungsverdichtung und Arbeitsüberlastung, einhergehend mit einer teilweise hohen Krankheitsquote berichtet. Vorgetragen wurde auch, dass sich nicht alle Beschäftigten diesen Tausch leisten können. Insbesondere in den unteren und mittleren Entgeltgruppen wird das Einkommen zur Bewältigung der Lebenshaltungskosten benötigt.

Viele dieser Informationen sind nicht neu und verdeutlichen einmal mehr die oftmals schwierige Arbeitssituation in den einzelnen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Es liegt auf der Hand, dass mit einer Arbeitszeitverkürzung, die mehr Flexibilität und Entlastung für die Beschäftigten bringen soll, vielfach ein entsprechender Personalzuwachs und ein entsprechendes Einkommen einhergehen müssen.
Ergebnis der Befragungen war auch, dass es bei den Beschäftigten trotz der oftmals nicht optimalen Arbeitsbedingungen eine hohe Identifikation mit der eigenen Arbeit, bzw. der übertragenen Aufgabe gibt.
Diese Tatsache lässt uns im Heute und Jetzt ankommen. In der durch das Corona-Virus ausgelösten Krise leisten Beschäftigte in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes unter schwierigsten Bedingungen einen großartigen Job, indem sie verantwortungsvoll und unter großem persönlichen Einsatz die Versorgung der Bevölkerung mit absichern.

Diese Leistung zeigt einmal mehr die Aufgabe eines guten und funktionierenden öffentlichen Dienstes und die Bedeutung von motiviertem, guten und ausreichendem Personal.
Diese Erfahrungen und die Ergebnisse aus der Befragung zur Arbeitszeit werden Bestandteil der Diskussionen zur Vorbereitung der Entgeltrunde sein, die die Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst führen wird.

Lasst uns diese schwierigen Zeiten solidarisch meistern. Bleibt gesund!

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