Zusatzversorgung

Rente, die zum Leben reicht?!? ver.di Informationen für Beschäftigte …

Rente, die zum Leben reicht?!? ver.di Informationen für Beschäftigte im öffentlichen Dienst

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

gerade für die jüngeren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist die Frage, ob die Rente im Alter noch zum Leben reicht, elementar. Schließlich wird jede und jeder von uns auf ein Auskommen im Rentenalter angewiesen sein. In der vorliegenden Ausgabe des Bund Länder-Journals gehen wir auf die nunmehr politisch begonnene Rentendebatte ein und bewerten die derzeitige rentenrechtliche Situation, die dazu führen wird, dass fast jede/r Zweite eine Rente unterhalb der Grundsicherung erhalten wird. Wer 1964 geboren ist und heute rund 2.500 Euro brutto verdient, würde nach 40 Versicherungsjahren eine Rente von knapp 790 Euro erreichen. Tatsächlich erhält aber ein Drittel aller Beschäftigten ein Bruttoeinkommen unter 2.500 Euro! Und durchgehende Erwerbsbiografien mit 40 Versicherungsjahren sind eher Ausnahmen. Selbst wer mehr als durchschnittlich verdient, müsste sich im Alter gewaltig einschränken. Und für Beschäftigte im Niedriglohnsektor wird´s erst recht bitter. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes war ein wichtiger und richtiger erster Schritt. Zur Verhinderung von Altersarmut reicht er aber nicht aus. Unsere Forderung: Das Rentenniveau muss wieder auf über 50 Prozent steigen. Mit zusätzlichen Steuermitteln und höheren Rentenbeiträgen ist die Finanzierung möglich. Höhere Beiträge zahlt sicherlich niemand gerne – vor allem nicht die Arbeitgeber. Eine schrittweise Anhebung um insgesamt drei bis vier Prozent wäre nötig. Aber Hand aufs Herz: Ein etwas höherer Rentenbeitrag wäre doch allemal besser, als im Alter zum Sozialfall zu werden oder das Renteneintrittsalter zu erhöhen.

Rente, die zum Leben reicht?!?

Die gesetzliche Rente in der Bundesrepublik reicht teilweise nicht mal mehr zur Grundversorgung. Alle Bundesbürger müssen sich darauf einstellen, dass sie später weniger Rente bekommen, als sie zum Leben brauchen. Diese Lücke muss ausgeglichen werden. Ohne private Altersvorsorge wird man in die Altersarmut abrutschen. Die meisten Deutschen ahnen gar nicht, was in ein paar Jahren oder Jahrzehnten auf sie zukommt.

Im Jahr 2030 ist damit zu rechnen, dass etwa die Hälfte der Senioren eine Rente beziehen wird, die kaum höher als die Grundsicherung (Sozialhilfe) sein wird. Tendenz steigend. Jede zweite Rente belief sich bereits 2014 auf weniger als 700 Euro. Das ist ein Betrag, der unterhalb der der staatlichen Grundsicherung liegt. Besonders hoch ist der Anteil der Mini-Renten
bei den Frauen in Westdeutschland. Von der ausgewiesenen künftigen „Regelaltersrente“ müssen Rentner zudem noch Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen und auch Steuern. Damit verringert sich die Rente bei gesetzlich Versicherten um rund ein Viertel. Privat Krankenversicherte werden trotz Altersrückstellung noch deutlich draufzahlen.

Zurzeit werden 66 Prozent des Rentenbetrags besteuert, in der Zukunft aber mehr. Bis im Jahr 2040 soll dann der ganze Rentenbetrag besteuert werden. In den Jahren davor jeweils 2 % weniger, 2016 sind es 72 %. Das ist die aktuelle Gesetzeslage. Wie hoch für den einzelnen Rentner die steuerliche Belastung in weiter Zukunft aussehen wird, kann derzeit niemand seriös vorhersagen. Dieser Besteuerungsbetrag wird in dem jährlichen Renteninformationsschreiben nicht ausgewiesen.

Geringverdiener die beispielsweise zum Mindestlohn von 8,50 Euro arbeiten und keine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge aufbauen können, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein. Diejenigen müssten im deutschen Rentensystem über 60 Jahre lang Vollzeit arbeiten, um auf eine Rente in Höhe der gesetzlichen Grundsicherung zu kommen. Diese Regelsätze
orientieren sich derzeit an den Hartz IVSätzen, wie viel das in Zukunft ist, weiß keiner.

Um zusätzliche Rentenansprüche aufzubauen, lohnt für Niedrigverdiener allenfalls die Riester-Rente. Um davon wirklich zu profitieren, sollte man aber selbst ohne Riesterzusatz auf eine Rente mindestens in Höhe der Grundsicherung kommen, ansonsten wird die Riesterrente auf die Grundsicherung angerechnet und wäre faktisch weg. Oftmals ist von einem Eckrentner die Rede. Der Eckrentner ist jedoch ein rein theoretisches Konstrukt, das dazu dient, das aktuell durchschnittliche Rentenniveau zu ermitteln. Der (fiktive) Eckrentner hat mit Erreichen seines 67. Lebensjahrs 45 Jahre lang exakt das Durchschnittseinkommen aller gesetzlich Versicherten erzielt. Dieser Eckrentner stellt quasi nur ein mathematisches Mittel dar. Laut dem Rentenversicherungsbericht 2015 der Bundesregierung liegt die Bruttostandardrente bei durchschnittlich 1.287 Euro. Diese Rente würde der so genannte Eckrentner
beziehen.

Die meisten Rentner kommen jedoch nur auf maximal 42 Beitragsjahre und ein nicht zu vernachlässigender Anteil sogar auf deutlich weniger Jahre und damit auf eine deutlich geringere Rente. Wie hoch die Rente ausfallen wird, errechnet sich aus der sogenannten Rentenformel. Sie besteht aus vier Faktoren: den Entgeltpunkten (E), dem Zugangsfaktor
(Z), dem Rentenartfaktor (R) und dem jeweils aktuell gültigen Rentenwert (A) in Euro. Die Multiplikation dieser Faktoren ergibt die spätere monatliche Bruttorente, mathematisch lautet die Formel also: Rente = E x Z x R x A. ...

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Mehr dazu im ver.di Bund + Länder Journal: https://bund-laender.verdi.de/++file++578e261c7713b82f561c2684/download/BuL_Journal_2016-01_V13_PDF EXPORT.pdf